Wenn dich dein Leben nervt, streu Glitzer drauf!


 

Heute war mal wieder einer dieser Tage.
Ich bin Mutter. Ich bin Partnerin. Ich bin Yogalehrerin. Ich bin Schwester, Freundin, Nachbarin, Schulmama, Fußballmama, Segelmama. Ich bin Hausfrau, Dekorateurin, Bastelfee, Gärtnerin und Zuhörerin. Ich gebe mir die allergrößte Mühe, allen gerecht zu werden.
Ich weiß theoretisch auch, wie das geht. Ich kann so einiges an Lebneserfahrung vorweisen, lese Bücher, Zeitschriften, Blogs und unterhalte mich mit Gleichgesinnten.
Manche sagen, dass man unheimlich energiegeladen in den Tag startet, wenn man morgens vor den Kindern aufsteht und Yoga macht. Quasi vom Bett gleich auf die Matte kullert. Und manchmal mach ich das tatsächlich und es lässt mich ruhig, gelassen und mit einer inneren Heiterkeit in den Tag starten.
Heute Morgen hat´s leider nicht funktioniert.
Heut Morgen hätte ich nur heulen können.
Weil ich „Rabenmutter" meinen Sohn alleine mit dem Bus zur Schule habe fahren lassen (was er- ganz nebenbei angemerkt- sonst auch macht…). Weil Junior II unten in der Küche sein Müsli allein essen muss, damit Mama sich für einen Kundentermin vorbereiten und noch allerlei Sachen zusammensuchen kann.
Zwischen Junior II zur Schule bringen und dem nächsten Termin lese ich auf Facebook noch kurz einen Post, der mich mich sowas von runterzieht. Weil ich plötzlich denke, dass es alle anderen mehr drauf haben und ein viel besseres Angebot haben als ich. Die schillernde, positive und dabei so voller Lebensweisheiten sprühende Yogawelt auf Facebook tut mir in diesem Moment überhaupt nicht gut.
Hätte ich das das Handy doch nur liegen gelassen...
Und jetzt geht´s ich auch noch zu einem Kundentermin. Wie soll ich denn mit solch einer emotionalen Schieflage diesen Termin überstehen?
Es geht irgendwie- sogar auch ganz erfolgreich. So erfolgreich, dass ich nicht rechtzeitig loskomme und die Theateraufführung meines Sohnes in der Schule verpasse.
Hallo? Geht´s noch? Anderen etwas Gutes tun und den eigenen Sohn versetzen???
Und wieder sitze ich im Auto und könnte heulen. Was ist denn nur los?
Es fing schon gestern Abend an. Da verspürte ich plötzlich ein ganz starkes Verlangen nach dieser Schokolinsen-Packung im Süßigkeitenschrank der Kinder. Ich wusste in dem Moment, als ich in die Tüte öffnete, dass sie mir nicht guttun wird. Und ich öffnete sie trotzdem. Und natürlich malte ich mir den ganzen Tag aus- und meinte es auch zu spüren- wie dieses klebrige Zuckerfettgemisch durch meine Adern floss. 
Und Stopp- wie war das nochmal? Ich bin Yogalehrerin? Ich bin ein Vorbild für meine Schüler? Ernähre mich gesund und bewusst, bin ausgeglichen und emotional reflektiert?
Heute aber nicht.
Heute fühle ich mich genervt, traurig, ganz unperfekt. Punkt. Auch als Yogalehrerin. Auch als Mutter. 
Und so ist es manchmal einfach.
Ich könnte mich auf eine ewig lange Ursachenforschung machen. Nach Ursachen in meiner Kindheit suchen, mir Gedanken darum machen, welcher Teil in mir hier gerade was ablehnt, welche Bedürfnisse dahinter stehen und, und, und...
Aber manchmal hilft es einfach, Glitzer über den ganzen Schlamassel zu streuen.
Viel mehr als das ganze Herumpsychologisieren, Reflektieren, Reden, Nachdenken, In-Die-Tiefe-Gehen.
Zum Beispiel das Mittagessen in meiner sechsköpfigen Patchworkfamilie: ganz normaler Wahnsinn mit unheimlich viel Glitzerpotential.
Kartenspielen am Nachmittag mit zwei spielwütigen Jungs hilft auch. Oder man fährt an den Strand und schaut seinem elfjährigem Sprössling zu, wie er seine ersten Segelversuche startet und geht danach noch einen leckeren Crépe am Strandkiosk essen.
Und schon glitzert alles wieder ein bisschen und das Leben ist gar nicht mehr so nervig.
Ja, ich hätte mich zurückziehen können um zu meditieren. Ja, ich hätte auch noch eine Runde Yoga machen können.
Aber manchmal ist es eben nicht Yoga. Auch nicht für mich als Yogalehrerin.
Manchmal sind es die scheinbar so kleinen und alltäglichen Dinge, die glücklich machen und mir die Kraft geben, den nächsten Tag wieder mit Elan und Energie zu starten und all die tollen Projekte und Ziele anzugehen, die noch auf mich warten.
Heute war eben kein Projekte- und Zieletag.
Heute war ein leiser Glitzer-Tag. 

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Kommentare: 1
  • #1

    Rebekka (Mittwoch, 03 August 2016 14:03)

    "ein leiser Glitzer-Tag"... super schön :)